Y-Haplogruppen und Migration, am Beispiel von I-L38 > BY14026

Einleitung

Im April 2017 machte ich meinen ersten Y-DNA Test und war vom Ergebnis überrascht. Meine Eltern kommen aus Almopia im Norden Griechenlands, die Y-Haplogruppe I-L38 zu der ich gehöre entstand jedoch vor etwa 4500 Jahren im Nordwesten Europas, zwischen Rheinmündung und Ostsee. Seitdem beschäftige ich mich mit der Frage, wie diese Haplogruppe nach Almopia kam und habe bereits einige Verwandte und Träger meiner Untergruppe Y125026 zu Y-DNA Tests motiviert, um ein klareres Bild zu schaffen.

Ziel dieses Beitrags ist es, die bisher vorhandenen Informationen in einfachen Worten und Bildern darzustellen und das Thema, sowohl Menschen aus Almopia, als auch Trägern der I-L38-Untergruppe BY14026, näher zu bringen. Zusätzlich soll es dazu dienen diese Menschen zu NGS (Next Generation Sequencing) Tests, wie den Big Y von Family Tree DNA, zu motivieren, da dies zu einem klareren Bild führt, wo unsere Unterzweige entstanden und welchen Weg sie einschlugen.
Siehe Blog Beitrag NGS – Nimm Teil am Y-Baum.

Y-DNA und Y-Haplogruppe, ein paar Grundlagen.

Y-DNA

Übersicht-DNA
Abb. 1: Übersicht DNA

Die Y-DNA wird vom Vater nur an die Söhne übergeben. Man kann es sich vereinfacht vorstellen, als ein Buch mit etwa 23 Millionen Zeichen (Abfolgen von A, C, G und T). Im Idealfall gibt der Vater eine Kopie dieses Buches ohne Änderungen und Fehler an seine Söhne weiter. So haben Brüder oder nahe Cousins die gleiche Y-DNA. Dennoch geschehen alle paar Generationen Fehler bei der Übertragung.
Sehen wir uns das am folgenden Beispiel an.

SNP (Single Nucleotide Polymorphism)

Im Satz
ICHÜBERGEBEMEINEYDNSANMEINENSEHRSEHRSEHRSEHRSEHRSEHRSEHRSCHÖNENSOHN
macht der Vater einen Fehler und macht daraus
ICHÜBERGEBEMEINEYDNAANMEINENSEHRSEHRSEHRSEHRSEHRSEHRSEHRSCHÖNENSOHN

An einer bestimmten Stelle verwendet der Vater einen falschen Buchstaben. Diesen Fehler nennt man SNP (Single Nucleotide Polymorphism). Diese Fehler sind sehr „stabil“, sodass man anhand dieser SNPs zwei Linien sicher voneinander unterscheiden kann, da dieser Fehler auch für die Nachfolgenden Generationen mitübertragen wird und sich nicht mehr zurück ändert. SNPs werden auch zum Benennen von Y-Haplogruppen verwendet (z.B. L38, Y125026). In der Y-DNA mutiert im Durchschnitt etwa alle 100 Jahre eine SNP. So kann man in etwa die Zeit TMRCA (Time to the Most Recent Common Ancestor) in „years before present“ ermitteln, die verging, seitdem der gemeinsame Vorfahre gelebt hat.

STR (Short Tandem Repeat)

Im gleichen Satz
ICHÜBERGEBEMEINEYDNSANMEINENSEHRSEHRSEHRSEHRSEHRSEHRSEHRSCHÖNENSOHN
macht der Vater einen Fehler und macht daraus
ICHÜBERGEBEMEINEYDNSANMEINENSEHRSEHRSEHRSEHRSEHRSEHRSEHRSEHRSCHÖNENSOHN

Hier fand ein Vater seinen Sohn besonders schön und hat in der Wiederholung des Wortes „Sehr“ eines zu viel genommen. Solche Fehler passieren an unterschiedlichen Stellen in der Y-DNA mit unterschiedlicher Häufigkeit. Es gibt STRs, die eine niedrige Mutationsrate haben und nur sehr selten falsch weiter gegeben werden. Bei STRs, mit einer hohen Mutationsrate passiert es öfters, dass ein Fehler geschieht, so dass diese bei unterschiedlichen Untergruppen zufällig auf gleiche Werte (Wiederholungen) mutieren können.

Y-Haplogruppe

Eine Y-Haplogruppe ist eine Gruppe von Männern, die alle von einem Mann, in rein väterlicher Linie abstammen. Früher verwendete man oft die sogenannte „Lange Form“ für die Benennung von Y-Haplogruppen, welche mit Großbuchstaben beginnt und dann abwechselnd aus Zahlen und Kleinbuchstaben besteht. Mittlerweile nimmt man dafür überwiegend eine SNP für die alle Gruppenteilnehmer positiv getestet wurden. Meine eigene Y-Haplogruppe ist bekannt als I2a1b2a (Lange Form, gültig für 2019 [1]) oder I-L38 (SNP). Jedes Zeichen der Langen form steht für eine SNP.

Lange FormI2a1b2a2
SNPM170M438CTS2257L460M436Y10720L38S2606
TMRCA (YFull)2750021500n/a21000170001220044004400

Die Untergruppe, um die es in diesem Beitrag geht wird bei FTDNA unter der SNP BY14026 geführt. YFull verwendet hierfür die SNP Y31038. Man kann sich dies so vorstellen, dass man stellvertretend für den Namen des gemeinsamen Vorfahren, den man nicht kennt, die bekannte SNP nimmt. BY14026 ist ein Nachfahre von L38. L38 ist wiederum ein Nachfahre von I-M170.

Y-DNA Tests

Bei Y-DNA Tests werden diese „Fehler“ gezielt abgefragt, um die Tester in Y-Haplogruppen einzuordnen, aber auch um die Verwandtschaft, in rein väterlichen Linie festzustellen.

Einfache SNP Tests

Bei einfachen SNP Tests, wie 23andme oder Living DNA werden nur sehr alte SNPs gefunden und damit nur gemeinsame Vorfahren, die vor mehreren Jahrtausenden gelebt haben. Bei mir ergab der Test von 23andme für die Y-Haplogruppe S2606. Hier liegt der TMRCA bei 4400 ybp. Es kann sein, dass dies dem ein oder anderen genügt. Mir genügt das definitiv nicht.

NGS Tests

Den NGS (Next Generation Sequencing) Test, wie den Big Y von Family Tree DNA, kann man als erweiterte SNP Test, mit integriertem STR Test, sehen. Weitere Anbieter für NGS Tests sind YSEQ.net, Fullgenomes.com, Nebula.org, dantelabs.com und alle anderen, die WGS (Whole Genome Sequencing) anbieten. Es wird fast die gesamte Y-DNA gelesen. Dadurch werden auch fast alle „SNP-Fehler“ im Vergleich zu unserem „Ur-Vater“ gefunden. Sogar solche, die noch nie zuvor bei jemand Anderen gefunden wurden. Zusätzlich wird eine große Anzahl an STR gelesen, die man zum Vergleichen mit reinen STR Tests verwenden kann.

Das ist der Test, der zum Erstellen von Y-SNP-Bäumen, wie den von FTDNA, oder YFull.com verwendet wird. Der FigUre Baum auf diesem Blog ist eine bildliche Zusammenfassung dieser zwei Y-Bäume. Da dieser Test der einzige ist, mit dem man auch nach der Zeitenwende, Unterzweige klar voneinander trennen kann, ist es mein bevorzugter Test.

STR Tests

Bei diesen Tests werden ausgewählte STR Marker gelesen. Man kann die STR Marker zweier, oder mehrerer Tester miteinander vergleichen und die Verwandtschaft zueinander abschätzen. Als SNP Tests noch zu teuer waren, hat man STRs zum Bestimmen von Y-Haplogruppen verwendet. Man kann diese zum Unterscheiden von Linien verwendet. Aber Vorsicht! STRs mit hoher Mutationsrate können bei in unterschiedlichen Untergruppen zufällig auf den gleichen Wert mutieren. Deshalb wird empfohlen, dass man die vorbestimmte Untergruppe, zu der man gehören könnte per SNP Test bestätigt, oder den Test zu einem NGS wie BigY erweitert.

Y-Haplogruppen und Migration, am Beispiel von I-L38>BY14026.

Man liest gelegentlich, dass Y-Haplogruppen mit Völkern in Verbindung gebracht werden. Zum Beispiel wird oft I2a generell mit den Slawen in Verbindung gesetzt. Wie man der vorherigen Tabelle entnehmen kann, ist I2a eine uralte Haplogruppe, die vor über 20000 Jahren entstand. Von Slawen als Ethnie spricht man aber erst seit dem sechsten Jahrhundert [2]. Deswegen macht es keinen Sinn, von dieser Verbindung pauschal, ohne weitere Differenzierung, zu sprechen.
Y-Haplogruppen mit Völkern in Verbindung zu bringen ist zwar möglich, aber – wie wir am Beispiel von I-BY14026 sehen werden – schwierig.

Erst einmal benötigt man die Kenntnis über den ungefähren Zeitpunkt, wann eine SNP entstand und somit, wann der gemeinsame Vorfahr einer Y-Haplogruppe gelebt hat. Mithilfe von NGS Tests kann man „junge“ SNPs ermitteln und schätzen, wann diese ungefähr entstanden sind. Bei YFull.com wird das Alter der Zweige rechnerisch geschätzt [3], und ist Bestandteil des YFull-Baumes. Man darf nicht vergessen, dass es sich dabei um eine Schätzung handelt, es wird neben dem Alter auch ein Konfidenzintervall (CI 95%) angegeben. Die Schätzung des Alters ist nur einer von vielen Vorzüge von YFull, weshalb ich das Einreichen der Rohdaten zu Yfull, empfehle. 

Dann benötigt man zusätzlich eine Möglichkeit, wie man den Ort ermitteln kann, an dem eine SNP entstanden ist und somit, wo der gemeinsame Vorfahre einer Y-Haplogruppe gelebt hat. Eine solche beschreibt Hans de Beule in „Ancestral Modal Windows of I-L38“ [4].
Man nimmt eine Y-Haplogruppe und betrachtet, anhand der Y-DNA Tester, die Verbreitung der Nachfahren, der einzelnen Unterzweige, auf der Landkarte. In dem Bereich, in dem sich die einzelnen Bereiche überschneiden, kann man die Herkunft des gemeinsamen Vorfahren annehmen. Dies setzt jedoch voraus, dass die Zweige zusätzlich Menschen beinhalten, deren Vorfahren Orts treu blieben und nicht migrierten. Umso mehr Informationen man über die Unterzweige hat, desto klarer kann man ein Bild zeichnen, wo die einzelnen SNPs entstanden sind und somit Migrationspfade nachvollziehen. Wenn man nicht genug Tester hat, so ist es oft nicht möglich nachzuvollziehen, ob eine Linie von A nach B, von B nach A, oder sogar von einem unbekannten C nach A und B zog.
Aus diesem Grund, will ich Menschen dazu gewinnen einen NGS Test zu machen, oder ihren STR-Test zu einem NGS Test zu erweitern.

Abhängig von den Informationen, die man zur Verfügung hat, kann man Teile von Migrationspfaden recht gut nachvollziehen. An Stellen, wo diese fehlen, muss man jedoch Hypothesen bilden und bekommt schon mal mehrere Versionen. Hier hilft es, wenn man Kenntnisse von historischen Migrationen hat. Meine sind etwas beschränkt und ich bin Dankbar für Ratschläge von Menschen mit mehr Kenntnissen. Meiner Meinung nach ist es ein guter Weg, erst die Informationen, die man durch die Y-DNA Tests erhält auszuwerten und erst im Anschluss die Überlegung anzustellen, welche historischen Migrationen dazu passen.

„Söhne“ der Y-Haplogruppe I-BY14026, eine Bestandsaufnahme.

Die Untergruppe BY14026 der Y-Haplogruppe I-L38 hat inzwischen mehr als 50 Tester. Für diese Aufstellung wurden jedoch nur die Tester genommen, die einen Ort für ihren ältesten bekannten Vorfahren angegeben haben und eindeutig BY14026, oder einer dessen Untergruppen, zugeordnet werden können. Die Quellen für diese Daten sind:

  • Haplogroup I-L38 Project bei FTDNA [5]: NGS (Big Y), sowie Y37STR, Y67STR und Y111STR
  • Yfull [6]: NGS anderer Anbieter
  • Serbisches DNA Projekt [7]: PowerPlex 23 STR
Abb. 2: Stammbaum der Y-Haplogruppe I-BY14026

Für die Unterteilung in Untergruppen wurden hier nicht nur SNPs genommen, sondern auch einige STRs, die relativ aussagekräftig sind (Drei oder mehr Sterne bei YFull für Mutationsrate). Die Platzierung in der Zeitlinie erfolgt mithilfe der Altersschätzung von YFull [3], soweit ein Alter hiermit geschätzt wurde.
BY14026 ist vor etwa 2300 Jahren entstanden. Es gibt einige derzeit bekannte Unterzweige, die der Reihe nach vorstellt werden. BY25359, BY161442, BY14026* und BY14044.

BY25359 und Unterzweige

Y125026 (DYR221=14, DYS448=21)

Die Untergruppe Y125026 findet man Hauptsächlich im Südosten Europas. Diese ist vor etwa 1500 Jahren entstanden und grob in zwei Zweige unterteilt.

Die Tester des violetten Blocks sind die einzigen Tester innerhalb von Y125026 mit unveränderten Werten für die STRs DYR221=14 und DYS448=21. A01 und Y128714 teilen keine gemeinsame SNP unterhalb von Y125026.

Der Vorfahr von A01 kommt genauso wie der gemeinsame Vorfahr Y128714 von A02 bis A04 aus Almopia. Die Orte deren Vorfahren liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Dies bedeutet, dass der gemeinsame Vorfahre von A01 bis A04 bereits kurz nach der Entstehung der SNP Y125026, also vor ungefähr 1500 Jahren, nach Almopia (Enotia) kam.
A04 ist der Test meiner eigenen Y-Linie.
A03 ist ein Mann unseres Dorfes, den ich testete um eine Familienlegende zu überprüfen, die besagte, unser gemeinsamer Vorfahre in rein väterlichen Linie, käme vor etwa 300 Jahren aus Mani, dem Süden Griechenlands. Da sich die Y-Haplogruppe jedoch seit etwa 1500 Jahren in Almopia befindet, ist diese Familienlegende damit falsifiziert.
A02 ist ein Neffe meiner Mutter. Der Vater meiner Mutter gehört zur selben Y-Haplogruppe Y128714 (TMRCA 600 ybp), wie mein Vater. Es heißt, der Großvater meines mütterlichen Großvaters käme „von den Vlachen“. Da es nördlich von Theodorakeion, Meglenoromanische Dörfer gibt, gehe ich davon aus, dass er von einem dieser Dörfer kam. Notia, der Herkunftsort von A0 ist eines dieser Dörfer. „In frühbyzantinischer Zeit erhielt das Gebiet Almopia nach einer gleichnamigen Befestigung mutmaßlich in der Nähe Notias den griechischen Namen Enotia (Ἐνωτία)“ [8].

Y125026 (DYR221=13, DYS448=22)

Die Tester im roten Block gehören auch zur Haplogruppe Y125026, haben jedoch einen gemeinsamen Vorfahren, den sie nicht mit der violetten Gruppe teilen. Der STR Marker DYS448 (21>22), Bestandteil des Y37 STR Test bei FTDNA, sowie der STR Marker DYR221 (14>13), extrahiert von YFull aus den NGS Daten, sind verändert. Als Ort für die Entstehung dieses Blocks vermute ich, aufgrund der höchsten Anzahl der Untergruppen (verifiziert per NGS und vorbestimmt per STR), das Karpatenbecken zwischen Serbien (Vojvodina) und Ungarn.

Der rote Block hat zwei, per SNP definierte, Unterzweige (Y177573, BY111953) und mehrere Teilnehmer, die noch keine Untergruppe gebildet, oder nur Y-STR getestet haben. Den Testern, die bisher nur Y-STR getestet haben, möchte ich ein Upgrade zu Big Y 700 empfehlen, damit wir hier mehr Unterzweige bekommen und ein besseres Bild von Y125026 bekommen. Zudem ist es möglich, dass B08, B09 und B10 aufgrund DYS437=14 und B03, B05, B13 und B23 aufgrund DYS391=10 einen Unterzweig bilden. Besonders freuen würde ich mich über ein zweites NGS in Serbien, oder eines in Ungarn.

Y177573 ist eine durch SNPs verifizierte Untergruppe dieses Blocks, die nur in Russland zu finden ist. Eine übergeordnete Untergruppe, basierend auf die von YFull extrahierten STRs DYS514=19 und DYR123=16, könnten die Tester B21, B22, B23 zusammen mit Y177573 bilden. B21 aus Rumänien, könnte ein Hinweis darauf sein, dass auch dieser Unterzweig ihren Ursprung im Karpatenbecken hat.

Der Unterzweig BY111953 wurde erst vor kurzem gebildet und ist aufgrund des Schweden D03 sehr interessant. Dieser passt räumlich nicht in das Schema Südost Europa. Entweder ist es ein Argument dafür, dass Y125026 im Norden entstanden ist, oder der Vorfahre des Schweden ist, nachdem Y125026 DYS448=22 im Karpatenbecken entstanden ist, wieder zurück nach Norden gezogen, wo die Y-Haplogruppe BY14026 ursprünglich herkam. Ich tendiere stark zur zweiten Variante.

FT53143

BY25359, der Vorfahr von Y125026, hat einen weiteren Nachfahren. Die Untergruppe FT53143 mit drei Testern und einem TMRCA von 1300 ybp.
Einer davon ist aus dem Süden Schwedens.
Zwei weitere, welche die Untergruppe FT52991 bilden, aus Großbritannien.
Ich gehe davon aus, dass BY25359 in Schweden entstand, FT53143 von dort aus, vor weniger als 1300 Jahren, nach Großbritannien und Y125026 ein paar Jahrhunderte zuvor in Richtung Süden zog.

Abb. 3: Karte der Y-Haplogruppe I-BY14026 (mapswire.com)

BY161442

Die SNP Y32046 lässt sich per NGS Tests nicht stabil feststellen, woraufhin sie aus dem YFull Baum entfernt wurde. Dennoch möchte ich auf diese hinweisen und sie zur groben Einteilung der Gruppen verwenden. Neben BY25359 gibt es eine kleine Gruppe mit positiven Ergebnissen für diese SNP. Tester eines Nachnamenprojekts mit Mitgliedern aus Yorkshire gehören zu BY161442. Daneben gibt es noch einen Mann aus Sizilien, Italien, welcher aufgrund seiner Y111 Werte einen gemeinsamen Vorfahren mit den Herren aus Yorkshire teilt. Die genaue Beziehung zwischen der Gruppe und dem Italiener wäre interessant.

BY14026* und BY14026 ermittelt mit STR Markern

Y125026 ist nicht die einzige Untergruppe von BY14026 im Karpatenbecken. Ein Ungar aus Vojvodina, Serbien (G01) ist der einzige NGS Tester der Untergruppe BY14026*. Er gehört nicht zu den anderen bekannten Untergruppen von BY14026. Ob dessen Vorfahr mit, oder unabhängig von Y125026 in den Süden kam, kann man nur spekulieren. Interessant ist, dass dieser, wie auch die Tester von BY25359 und BY161442 (NGS auf YFull) einen veränderten Wert für den STR Marker DYR8 aufweist.

Die Tester H01 bis H03 wurden nur per STR-Marker als BY14026 ermittelt. Ob diese zu einer weiteren, bisher unbekannten Untergruppe, oder zu einer der bereits bekannten Untergruppen gehören, kann man aufgrund deren STR-Markern nicht feststellen. Um dies sicher festzustellen, müssten diese Tester auf Big Y upgraden.

BY14044, pre-BY14044 und Untergruppen

BY14044 ist die zweite große Untergruppe von BY14026, grob unterteilt in BY14044 und pre-BY14044.

Der verifizierte Teil ist BY14044 und besteht aus zwei Unterzweigen, mit BY14044* einem Tester aus Dänemark und BY25362, eine ganze Reihe Tester aus England. Einige Y-STR-Tester kann man sehr gut in diese Gruppe einordnen. BY25368 wird geformt durch zwei Big Y Tester des Firth Nachnamenprojects. Laut „Descendants of haplogroup IJ-M429“ [9] gehört der Schauspieler Colin Firth zu dieser Haplogruppe.

Den nicht verifizierten Teil, habe ich pre-BY14044 genannt, da sie die für BY14044 typischen STR-Werte (DYS607=13, DYS617=14 nur bei Y67 und Y111) haben. Einige Mitglieder mit diesen Werten hatten kein Ursprungsland für ihren Vorfahren angegeben, so dass sie in diesem Beitrag nicht berücksichtigt werden konnten. Die am meisten angegeben Orte sind Preußen und Schottland, aber sogar ein Tester aus Spanien ist in dieser Gruppe. Diesen Testern, möchte ich ein Upgrade zu Big Y 700 empfehlen, damit wir hier auch für Preußen und Schottland Unterzweige bekommen und ein besseres Bild davon bekommen können, wie BY14026 nach Schottland und Spanien kam.

Beispiel, Y125026 und die Heruler

In den letzten drei Jahren hat sich einiges in der Y-Haplogruppe BY14026 getan. Es sind mehrere NGS Tester hinzugekommen und es ergibt sich ein immer besseres Bild, über die Entstehung von BY14026 und die Migration von Y125026 in den Südosten Europas. Eine der ersten Hypothesen, wie I-L38 nach Griechenland kam, beinhaltete die Warägergarde. „Warägergarde (griechisch: Τάγμα των Βαράγγων, Tágma tōn Varángōn) ist der Name für die zumindest anfänglich aus skandinavischen Wikingern, die von den Slawen Waräger genannt wurden, bestehende Leibgarde des byzantinischen Kaisers“ [10].

Später, als das Karpatenbecken mehr in den Fokus rückte, wurden die Gepiden, „ein ostgermanischer Stamm im Gebiet der heutigen Staaten Ungarn und Rumänien, der möglicherweise mit den Goten verwandt war“ [11], meine Favoriten für die Ausbreitung von Y125026.

Mit dem Erscheinen des Testers aus Schweden (D03), kam die Frage auf, ob Y125026 DYS448=22 in Skandinavien oder im Karpatenbecken entstanden ist. Im zweiten Fall müsste der Vorfahr von D03 nach Skandinavien „zurück“ gegangen sein. Hier kämen die Heruler „ein (ost)germanischer Stamm, der in den 60er Jahren des 3. Jahrhunderts n. Chr. am Schwarzen Meer zum ersten Mal geschichtlich in Erscheinung trat und bis ins 6. Jahrhundert in den Quellen belegt ist“ [12] in Betracht, überzeugt bin ich davon aber noch nicht.

Abb. 4: The Heruls in Scandinavia, by Troels Brandt [13]

Als Basis für die Animation, der die Migration der Heruler betrifft, diente die Karte (Abb. 4) von Troel Brandt, The Heruls in Scandinavia [13]. Von dieser wurden Migrationspfade und Handelsruten, sowie Jahreszahlen übernommen. Andere Bewegungen wurden, angelehnt an den Informationen der Y-Bäume, nur angedeutet.

Animation: Migration der Y-Haplogruppe I-BY14026 – Version “Heruler”

Leider gibt es noch nicht genug Informationen zu den Unterzeigen BY14044 und Pre-BY14044. Es gibt hier nur vier NGS Tests und davon wurde nur einer bei YFull hochgeladen, so dass keine Altersschätzungen vorliegen. BY161442 ist auch etwas schwach, mit nur zwei NGS. Aus diesem Grund wurden die Migrationen dieser Gruppen nicht in die Animation integriert.

Fazit:

Als ich 2017 meinen ersten Y-DNA Test machte – ich fing mit einem Y37 bei FTDNA an – verwirrte mich mein Ergebnis völlig und ich ging erst davon aus, dass die Proben vertauscht wurden. Ich erweiterte sehr bald auf ein Big Y, in der Hoffnung, dass die Y-Bäume schnell wachsen und es etwas klarer wird, wie I-L38 nach Griechenland kam. Ob nun Waräger, Gepiden oder Heruler an der Migration beteiligt waren, oder es doch ganz anders war, wird mich noch eine Weile beschäftigen, und das soll auch so sein, denn ich beschäftige mich gerne mit diesem Thema. Mit jedem zusätzlichen Tester wird das Bild klarer und man kann vorherige Hypothesen über Bord werfen.

Dies gilt nicht nur für meinen Unterzweig, sondern für die gesamte Haplogruppe I-L38 und dem ein oder anderen Nachbarzweig, der nur darauf wartet entdeckt zu werden. Y-DNA Genealogie ist ein Hobby, das nur dann funktioniert, wenn genug motivierte „Spieler“ auf dem Spielfeld sind und sich rege am Spiel beteiligen. Nicht jeder Spieler wird im Spiel vollen Einsatz zeigen und ein NGS machen, das er auf alle Y-Bäume hoch lädt. Man kann sich auch mit kleinem Einsatz beteiligen und das Spiel unterstützen.
Aus diesem Grund möchte ich Dich um folgendes Bitten:

  • Wenn Du bereits einen Test bei FamilyTreeDNA gemacht hast, bitte
    • Trete dem Haplogroup I-L38 Project bei, falls noch nicht geschehen und lade auch Deine Matches ein, mit denen Du Kontakt hast.
    • Füge in den „Account Settings > Genealogy” den Herkunftsort Deines ältesten bekannten väterlichen Vorfahren bei “Country of Origin” und “Location” die “Earliest known Ancestors” ein, falls bekannt.
  • Unabhängig davon ob Du einen Test bei FTDNA gemacht hast, bitte
    • Spende einen kleinen Beitrag an das Haplogroup I-L38 Project bei FTDNA. Hiermit werden Tests finanziert, die wichtig sind für die Forschung an der I-L38 Haplogruppe. So können sehr selten Unterzweige auch dann gefunden und am Baum positioniert werden, wenn der Tester sich keine weiteren Upgrades leisten kann.

Quellen:

[1] ISOGG Y-DNA Haplogroup Tree 2019-2020: https://isogg.org/tree/
[2] Wikipedia – Slawen: https://de.wikipedia.org/wiki/Slawen
[3] YFull’s age estimation methodology: https://www.yfull.com/faq/what-yfulls-age-estimation-methodology/
[4] Ancestral Modal Windows of I-L38, by Hans de Beule: https://sites.google.com/site/haplogroupil38/-2019-ancestral-modal-windows-of-i-l38
[5] Haplogroup I-L38 Project bei Family tree DNA: https://www.familytreedna.com/groups/i-2b-2
[6] Yfull Baum: https://www.yfull.com/tree/I-S2555/
[7] Serbisches DNA Projekt: https://dnk.poreklo.rs/DNK-projekat/
[8] Wikipedia – Almopia: https://de.wikipedia.org/wiki/Almopia
[9] Descendants of haplogroup IJ-M429: https://haplogroupijm429.wordpress.com/2020/05/22/i2-colin-firth/
[10] Wikipedia – Warägergarde: https://de.wikipedia.org/wiki/Warägergarde
[11] Wikipedia – Gepiden: https://de.wikipedia.org/wiki/Gepiden
[12] Wikipedia – Heruler: https://de.wikipedia.org/wiki/Heruler
[13] The Heruls in Scandinavia, by Troels Brandt: http://www.gedevasen.dk/heruler.html

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